Im Herzen des alten Mailands, an der Piazza S.Stefano 2, wenige Meter von Cà Granda, der heutigen Universität eröffnet ein Cousin der Familie Bassetti, Carlo Baroncini eine Gemischtwarenhandlung, in dem er Leinengewebe, Tischdecken, Servietten, Taschentücher, Decken und Dekorstoffe verkauft.

 

Die Firma zeichnet von Beginn an eine besonders unternehmerische Mentalität aus. Zur Steigerung der Verkaufszahlen werden Produktionsunabhängigkeit und konstante Qualität stets groß geschrieben. In der ländlichen Kleinstadt Rescaldina wurde daher eine Handweberei eröffnet, in der schnell mehr als 100 Webstühle bedient werden.

 

Mit dreizehn Jahren steigt Giovanni Bassetti, der Cousin von Baroncini 1864 frisch von der Schule, mit kaufmännischem Abschluss und einem außergewöhnlichen Tatendrang in die Firma ein. Fast zwanzig Jahre später übernimmt er das Unternehmen für 119,30 Lire. Bis dahin begibt er sich unermüdlich auf die Suche nach neuen Absatzmärkten und wird mit steigenden Produktionszahlen belohnt.

 


Auf dem Weg zu einem Geschäftstermin, den Giovanni Bassetti trotz stürmischer See nicht absagen will erleidet er Schiffsbruch auf der Meerenge von Messina. Er erkrankt und stirbt 1893 an den Folgen seines Leidens. Er hinterlässt drei Kinder - eines nur wenige Tage alt - und seine Ehefrau, die sich später als großes kaufmännisches Talent herausstellen wird.

Rosa Piantanida wünscht sich für ihre Kinder eine hervorragende fachliche Ausbildung und schickt sie nach Roubaix, dem damaligen Textilzentrum schlechthin. Nach dieser Erfahrung beschließen sie, mechanische Webstühle nach Italien zu importiere

n, um das Herstellungsvolumen in Rescaldina zu steigern, die Produktionskosten zu senken und das Unternehmen breiter aufzustellen.


Die Kinder Ermete, Felice und Giovanni gründen die Gesellschaft Giovanni Bassetti. Im Werk arbeitet man an der künstlichen Entwicklung eines feuchten Klimas zur besseren Verarbeitung von Leinen und Baumwolle. Es wird die Appreturanstalt in Trezzo d’Adda erworben, in der die Leinenballen sonnengebleicht werden.

Das Werk wird als Gemeinschaft verstanden, als eine Art große Familie, in der jeder nach bestem Wissen und Gewissen arbeitet und alle an einem Strang ziehen. Das Unternehmen expandiert weiter und zählt von nun an auch die Werke in Biassono und Revello sein Eigen.


Ein weiterer wichtiger Schritt für die Entwicklung des Unternehmens ist die Eröffnung des Werks Manifattura Lombarda Lino e Canapà in Origgio, das unter Mitwirkung französischer Spezialisten realisiert wird. Bassetti wird zu einer jur. Vorform der Aktiengesellschaft.

Giannino Bassetti wirkt der Krise zwischen 1929-30 mit einer innovativen kaufmännischen Strategie entgegen: Er spinnt ein feinmaschiges Netz an Vertriebskanälen mit Depots, Lagern und Verkaufsflächen. Damit glückt ihm der flächendeckende Absatz in ganz Italien. Da man von nun an in direktem Kontakt mit dem Kunden steht, gelingt es auch eine stärkere Bindung zum Endverbraucher aufzubauen. Marketing und Werbung werden erstmals Thema.

Bassetti lanciert eine revolutionäre Idee auf den Markt: Die fertig konfektionierte und verpackte Bettwäschegarnitur, die jederzeit im Laden verfügbar ist. Hintergrund ist das Bewusstsein für die immer stärker in das Berufsleben eingebundene Frau. Mitte der Fünfziger Jahre gehört Bassetti zu den ersten Marken, die über die Integration von Werbung als festen Geschäftsfaktor nachdenkt. Es werden bedeutende Investitionen getätigt und die Marke sukzessive weiter ausgebaut.

Die Sechziger Jahre sind die Zeit des Wirtschaftswunders; man beginnt über die Möglichkeiten der Verbreitung der Marke über die Landesgrenzen hinaus nachzudenken. Bassetti nimmt die Herausforderung der Expansion an und konzentriert sich dabei auf die europäischen Märkte wie Frankreich, Spanien, Österreich, Deutschland und England.

Bei der Ankündigung der Eröffnung des neuen Werks in Rescaldina spricht die Presse von “dem modernsten Werk Europas für das älteste Handwerk der Welt“. Das Gebäude gleicht einem großen Schirm, unter dessen Schutz der gesamte Produktionsapparat steht. Das Charakteristische daran ist seine Abdeckung mit dünnen Bögen aus Stahlbeton – damals einzigartig in Europa.


Trotz der schwierigen Zeiten aufgrund der Energiekrise und Inflation zwischen 1975 und 1983 schafft es Bassetti, revolutionäre Produkte zu entwickeln, die die Arbeit im Haushalt erleichtern und tatsächlich der Entlastung der Frauen dienen.

Bassetti tritt in die Zucchigroup ein und durchläuft einen Integrationsprozess, bei dem Synergien geschaffen und neue Ressourcen mobilisiert werden. Diese ermöglichen die Suche nach neuen Produktideen und die Beschreitung europaweit geebneter Wege. Das Produkt schlechthin dieser Jahre ist das Granfoulard, das große vielseitig einsetzbare Tuch mit der Fähigkeit, jedem Ambiente dekorative Kreativität zu verleihen.


Der internationalen Entwicklung werden neue Impulse verliehen: Es ist die Geburtsstunde der Filialen Bassetti Deutschland, Bassetti Espanola und Bassetti France. In Italien konzentriert man sich auf den Vertrieb in eigenen Geschäften; in Bologna, Rom, Verona, Perugia und Mailand werden die ersten Franchise Stores mit dem Namen C’è Bassetti eröffnet.

1990 tritt Jalla, die bekannte französische Firma und Marktführerin im Bereich Frottierware in die Gruppe ein. Das Wachstum der Franchisekette mit 60 Geschäften zum Ende des Jahres 1994 spornt Bassetti zusätzlich bei der Verbesserung der Distribution im Einklang mit der Unternehmensstrategie und den Kollektionen an. Bzgl. Kundenservice und anderen Dienstleistungen orientiert man sich zunehmend an großen Markenunternehmen.


Bassetti entdeckt das Thema Natur für sich und entwickelt eine Kollektion mit ganz eigenem kommunikativem Gehalt. Durch die Abbildung von Landschaften und aus dem Alltag gegriffenen Situationen schwingen neue Emotionen – Wünsche, Sehnsüchte, Stimmungen – bei den Produkten mit.

Dank La Natura finden Bassetti und CTS, die italienische Gesellschaft für Umwelterziehung zueinander. Gemeinsam werden Initiativen und Projekte an Schulen gefördert, an denen je bis zu 100.000 Kinder und Jugendliche teilnehmen. Sie sollen für die Notwendigkeit der Artenvielfalt, verschiedene Ökosysteme und genetische Andersartigkeit sensibilisiert werden.


Der internationale Erfolg der Kollektion La Natura ermöglicht ein herausragendes Event von wissenschaftlicher Bedeutung, nämlich die Eröffnung des ersten Forschungszentrums über Delfine aus dem Maddalena Archipel bei Sardinien. Granfoulard lanciert eine charmante Kollektion für den eleganten Lebensstil. Ab dem 1. Dezember 2001 fusioniert Bassetti mit der Zucchigroup.

Der Fusionsprozess der beiden italienischen Unternehmen zur Zucchigroup wird abgeschlossen. Bassetti schreibt Innovation weiterhin groß; die Kollektionen erfahren eine neue Vielfältigkeit, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der immer internationaleren Kundschaft gerecht zu werden, die ein wachsendes Bewusstsein für den Wert von Qualität und Erfahrung hat.